Freitag, 7. März 2008

Browner Tag

Heute ein eher dröger Tag in der Stiftung der Polnisch – Deutschen Aussöhnung. Normalerweise muss ich ja Freitags immer erst um zwölf erscheinen da ich am Abend ja mein älteres Ehepaar besuche. Heute hat mich Kuba jedoch schon früh hierher beordert - per Telefon aus dem Bett- , da unzählige Briefe versendet werden mussten. Zum Glück bin ich jetzt, um ein Uhr, mit dem „eintüten“ fertig geworden und kann mich wieder spannenderen Dingen widmen.

Brief an Mr. Brown


So verfasse ich grade ein Schreiben an den englischen Premier im Namen unserer Stiftung.
Darin bieten wir der Regierung an englische Schüler die Auschwitz besuchen in Warschau zu empfangen und mit ihnen zu diskutieren.
Wie dem auch sei, das Schreiben ist fast fertig, aber es ist mir ein krasser Fehler unterlaufen. Zum Glück haben Kollegen den gefunden :) seht selbst...

“The foundation of the Polish-German reconciliation and its head of the board, Dariusz Pawlos noticed with a highly interest that Great Britian will send students to the German concentration camps in Ausschwitz…”

- hätte ja fast zu diplomatischen Spannungen führen können...


Heute abend besuche ich wieder mein älteres Ehepaar und werde dem Mann diesen Brief auch noch einmal zeigen. Er spricht sehr gut Englisch, daher kann ein weiterer Korrektor nicht schaden. Zumal er sich darüber sicherlich freut wenn er das lesen kann...

Montag, 3. März 2008

Risibisi zwo

Soo, noch ein bisschen Kultur...



Das Video stammt von DER berühmtesten Polnischen Rockband in den 80gern und 90gern. Titel ist "Westberlin". Kuba, mein Chef meint, dass es durchaus üblich war nach Westberlin zu reisen damals um Geld zu machen und das ein oder andere Bier zu trinken- siehe Video :)

Risibisi- Kuddelmuddel- Wirrbericht

Mit dem Amsterdam Bericht wird es vorerst nichts werden, es gibt andere Sachen zu berichten die Priorität besitzen.

Erst einmal eine mir sehr peinliche Korrektur, der deutsche Fernsehheld heißt natürlich nicht Andres Möller wie der bekannte und glorreiche Fußballer*, sondern Steffen Möller - danke Karo!

Zweitens geht es grade gut voran mit meinem Polnisch, diese Woche geht es in die zweite Runde mit meinem Sprachkurs und des weiteren habe ich zwei regelmäßige Tandempartner.

Tandem? Im Tandem eine Sprache zu erlernen bedeutet, dass sich zwei Personen mit unterschiedlicher Muttersprache gegenseitig die jeweils fremde Sprache beibringen. Grundsätzlich können sich die beiden Partner persönlich treffen (Präsenz-Tandem) oder per E-Mail, Telefon oder mit anderen Medien lernen (eTandem). Das Lernen kann auf unterschiedliche Weise geschehen, mit Vorlagen, Lehrbüchern oder einfach im lockeren Gespräch. Oft hängt die Übungsmethode davon ab, wie gut man die Fremdsprache schon beherrscht. Beim klassischen Prinzip gilt: Die Hälfte der Zeit wird der einen Person gewidmet, die andere Hälfte der anderen Person. So können sich zum Beispiel ein Portugiese und ein Deutscher eine halbe Stunde auf Deutsch unterhalten und anschließend eine halbe Stunde auf Portugiesisch. Bei neueren Ansätzen wie bei TandemScout sind auch z.B. "Dreiecks-Beziehungen" möglich: Der "Lehrer" muß nicht unbedingt von seinem "Schüler" lernen, sondern kann die beim Gespräch verdienten virtuellen Währungspunkte für den Unterricht bei einem anderen Lehrer - ggf. auch in einer anderen Sprache (!) eintauschen. Diese Sprachlernmethode gilt als sehr effektiv, da sie den Fremdsprachenlerner zwingt, aktiv zu kommunizieren. (Aus Wikipedia)

Letzte Woche hatte ich übrigens ein sehr angenehmes Erlebnis bei meinem Ehepaar das ich besuche: Da ich vom jüdischen Institut kam und dort immer meinen Laptop brauche, ihn also ihm Rucksack dabei hatte, konnte ich ihnen allerlei Fotos zeigen.

Die beiden, mit ihren 90 Jahren schon etwas betagt, waren sichtlich begeistern von der „neuen Technik“ und klebten förmlich am Bildschirm. Ich habe ihnen ein paar Amsterdambilder gezeigt und natürlich beteuert, dass ich das Rotlichtviertel nicht besichtigt habe. Gezeigt habe ich außerdem natürlich Familienbilder, Freunde etc. Die beiden habe sich richtig gefreut!

Ich glaube das Ganze hat uns einander näher gebracht, sodass vielleicht deshalb der Mann kurze Zeit später anfing von seinen Erlebnissen im KZ- Stutthof bei Danzig zu berichten. Ich habe leider nicht alles verstanden aufgrund der schweren Vokabeln, aber das Grundgerüst schon- es war sehr beeindruckend! Schon irgendwie komisch der dass erleben musste und einfach so nun vor mir saß. Und vor allem nichts gegen mich hegt, Hut ab! Für mich sehr komisch war, dass er inmitten der Erzählung abbrach um die Nachrichten zu schauen. Kurz darauf saß ich also mit ihm vor der Glotze als ob nichts gewesen wäre...

*glorreich natürlich nur solange bis er zu Schalke gewechselt hat...

Donnerstag, 28. Februar 2008

"Ich bin der Liebling der polnischen Frauen“


... nein ich bin nicht größenwahnsinnig geworden, sondern nur auf einen guten Artikel gestoßen mit eben diesem Titel, der sich mit dem Phenomen "Andreas Möller" beschäftigt. Phenomen ist vielleicht zu hoch gegriffen, aber diese Person, in Deutschland völlig unbekannt, genießt in Polen großes Ansehen und ist landesweit sehr bekannt. Seht selbst, der Artikel streift auch interessante Dinge über das Polnisch-Deutsche Verhältnis...


..."Deutsche Frauen rasieren sich sogar unter den Achselhöhlen"...


..."Es gibt diese Karikatur vom Deutschen mit Stahlhelm und SS-Uniform"...


Dienstag, 26. Februar 2008

Ick war een Asterdam!






Amsterdam!!



Woha, bin grade frisch aus den Niederlanden heimgekehrt und habe gleich einmal ein paar schöne Fotos online geschaut, seht selbst....


typische Straße an den sogenannten Grachten, kanalartige Verästelungen die in der ganzen Altstadt zu finden sind und der Stadt ihren ganz speziellen Charme geben...
Ich schreibe in den nächsten Tagen noch nen kleinen Bericht, muss jetzt aber erstmal nen großen Wäschewaschgangg machen :)
Grootjes











Dienstag, 19. Februar 2008

Wrocław und jede Menge Ska mit "Delikat"








Dieses Wochenende habe ich den Moritz, ein ASF-Freiwilliger und Kumpel, in Breslau (p.c. eher Wrocław) besucht. Die drei Tage waren echt heftig, ich hole noch immer den Schlafmangel nach, aber hey, es hat sich gewaltig gelohnt!!
Anlass der Reise war neben dem Besuch von Moritz sein eigenes Projekt, nämlich ein Konzert in Breslau mit einer Berliner und einer polnischen Skaband.

Breslau die erste...
Das wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen und hab mich kurzerhand auf den Weg zu ihm gemacht. Nach sechs ätzenden Stunden Zugfahrt bin ich letzten Freitag abends angekommen und hab mit Moritz erst mal ne Kneipenrunde gedreht. Mit dabei waren Martin, der Mitfreiwillige aus Slowenien -sehr nett und ein Sprachgenie: Polnisch, Slowenisch, Deutsch und Tschechisch fliessend-, eine Kindergärtnerin aus Deutschland die in Breslau im deutschen Kindergarten arbeitet und ein Mitarbeiter der deutschen Minderheit - sehr sarkastischer Genosse aber unterhaltsam. Der Abend verlief sehr angenehm, und auch die Kneipen in Breslau sind sehr urig und süffig-würzig.
Später am Abend als wir nur noch zu dritt unterwegs waren, haben wir ein paar Polen getroffen, mit denen wir Kicker gespielt haben; natürlich Deutschland gegen Polen - Freundschaftsspiel versteht sich! Unsere Widersacher hatten ordentlich dem Bacchus gefrönt, daher war es uns ein leichtes ALLE Partien für uns zu entscheiden. Hehe, das war ein Spaß!

Breslau die zweite...
Am nächsten morgen haben wir heftigst ausgeschlafen und dann nachmittags die Band „Delikat“ aus Berlin empfangen. Die Jungs waren total ausgeflippt und sehr sympathisch, wie man halt sehnsüchtig aus dem Exil Berliner sich ausmalt. Nun gut, es stellte sich heraus, dass die Hälfte eingewanderte Hessen waren, aber nun gut, so etwas muss verdrängt werden!




Nachdem wir der Band die Stadt gezeigt haben, ging etwas später auch gleich das Konzert los in einem seeeehr angeranzten Laden irgendwo in einem Hinterhof in der Altstadt. Ähnlich einem unrenovierten vermüllten Tacheles. Im Publikum waren annähernd so viele Hunde vertreten wie Publikum bzw. Punks , eben ein richtige Rasselbande, allerdings waren auch normalos da wie z.B. ich. Die Band hielt dann auch was sie versprochen hatte und es ging gut ab.
Nach dem Konzert sind wir feucht-fröhlich mit dem Tourbus ins Edith-Stein Haus gefahren , indem ja Moritz wohnt und indem auch die Band untergebracht war. Natürlich wurde unterwegs an der Tanke noch ein Kasten Limonade besorgt, damit die Band samt Entourage nicht verdurstet... Angekommen im Etablissement * aben wir dann noch eine Weile „dagesessen“ bis wir ins Bett sind.
"Delikat" mit Kollegen und Moritz...
Am nächsten Tag ging es dann für mich leider wieder nach Warschau. Ich bin lustigerweise in den falschen Zug gestiegen, mein Ticket war nur für eine Art Regionalzug ausgestellt und befand mich nun plötzlich in einem edlen Polen-ICE. Der erste Schaffner hat mir eröffnet entweder ein teureres Ticket zu lösen, oder an der nächsten Station den Zug zu verlassen, der Zweite wollte mir dann sogar schon ne Strafe aufbrummen. Zum Glück konnte ich alles regeln und hab das neue Ticket mit bis auf den letzten Zloty in meiner Tasche bezahlt. Puh.
Nach einer Stunde musste ich dann meinem Platz einer Mutti mit drei Kindern räumen und da ohne Reservierung, hab ich dann die letzten läppischen fünf Stunden gestanden. Naja. Lol. War auch eine Erfahrung wert...


*Für den Kenner: Interessanterweise hören die Bandburschen allesamt KIZ waren sogar verdammt Textsicher und hatten einige Alben dabei...
**Die beiden anderen Bilder zeigen die Umgebung von Moritz Projekt und an einer Wand klebend der Flyer der Band...

Mittwoch, 13. Februar 2008

„Wenn der Pöbel die Straße beherrscht, gelten keine Privilegien mehr“, Franz Rosenthal, 1935


Das ist das Cover von dem Buch an dem ich arbeite... Cool, wa?!!


Ich dachte mir, das ist ein feiner Aufhänger um mal wieder von meiner Arbeit hier im jüdischen historischen Institut zu berichten. Von großen, erschreckenden oder außergewöhnlichen Dingen kann ich nicht erzählen, ganz im Gegensatz zu anderen ASF-Freiwilligen *…

Ich arbeite immer noch an dem Buch, dem ich auch das Zitat entnommen habe. Ich bin jetzt ungefähr bei vier fünfteln, dass heißt der Text ist fast vollständig abgeschrieben. Danach erwartet mich noch eine Korrekturphase und einige hebräische und jiddische Textstellen muss ich noch von Fachkräften übersetzten lassen und dann ist die Tat komplett! An dem Ganzen sitze ich ja schon ziemlich lange, bestimmt drei oder vier Monate, so sind schon an die 22.000 Wörter zusammengekommen…
Ja, aber wenn das Projekt zu Ende ist hab ich zum Glück noch andere interessante Dinge zu tun. Die Webseite des Instituts existiert nur auf Polnisch und Englisch und diesen Missstand möchten die beiden Gedenkdiener und ich beheben und eine deutsche Version (mit österreichischen Einschlag?) erstellen.
Desweiteren rückt der Frühling immer näher und damit auch die deutschen Touristen und Interessierte, denen wir das Getto zeigen können. Das heißt, ich werde im Laufe des Jahres, sofern denn Leute kommen, immer weniger im Archiv sein, als Führer oder besser Guide auf den Spuren der Vergangenheit…

*Eine Freiwillige in Belgien, eine Freundin von mir, hat zur Zeit ziemlich viel Stress mit ihrem Projekt. Schlimmer noch, ihr ganzes Projekt wird in Bälde enden und sie muss sich selbst ein Neues suchen und allerlei schlägt sich mit allerlei anderen ätzenden Schwierigkeiten rum. Die Arme. Da klingen meine Berichte doch ziemlich behütet…

**vielleicht sollte ich noch kurz den Zusammenhang des Zitats erwähnen, obwohl er sicherlich kein spannender ist; Es handelt sich um das Dilemma, dass die Juden in Schlesien während des Mittelalters laut meines Autors zwar von den regionalen Fürsten zwar Privilegien und Schutzverträge besaßen, jedoch dem Pöbel, sobald er, oftmals durch die Kirche aufgewiegelt, schutzlos ausgeliefert war. Naja der Satz ist aber, wie ich meine, auch allgemein gültig... oder?